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Der Arbeitsauftrag der Kinder- und Jugendpsychiatrie besteht in der Untersuchung, Früherkennung und Behandlung von Störungen des Verhaltens und Befindens bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren, je nach Entwicklungstand 20 Jahren. Im Einzelnen handelt es sich in Orientierung an der ICD-10 um folgende Klassen von psychischen Störungen: Organische Störungen Hierzu zählen vor allem die für die Kinder- und Jugendpsychiatrie besonders relevanten Hirn-funktionsstörungen und organischen Psychosyndrome.
Psychische Störungen durch psychotrope Substanzen Diese Gruppe von Störungen betrifft den Drogenmissbrauch verschiedenster Substanzen.
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen Hierbei handelt es sich um schwergradige Störungen, die am ehesten bei Jugendlichen und sehr viel seltener bei Kindern beobachtet werden.
Affektive Störungen Dieser Gruppe sind in erster Linie Kinder und Jugendliche mit depressiven Störungen zuzurechnen.
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen Zu dieser sehr breiten Klasse psychischer Störungen sind die Phobien, die Angststörungen, die Zwangsstörungen, die im Kindes- und Jugendalter sehr häufigen Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen, die selteneren dissoziativen Störungen sowie die bei Kindern und Jugendlichen häufigen somatoformen (psychosomatischen) Störungen zu zählen.
Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren Aus dieser Gruppe von Störungen sind für das Kindes- und Jugendalter die Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa) sowie die nichtorganischen Schlafstörungen von vorrangiger Bedeutung.
Persönlichkeitsstörungen Entwicklungsbedingt spielt die Zuschreibung der zu dieser Klasse gehörigen Diagnosen allenfalls erst im Jugendalter eine Rolle.
Intelligenzminderung Hierzu zählen die unterschiedlichen Grade der geistigen Behinderung.
Entwicklungsstörungen In dieser Gruppe werden die Störungen einzelner Entwicklungsfunktionen (Sprache, Motorik), die umschriebenen Störungen schulischer Fertigkeiten (Lese-Rechtschreibstörungen, Rechenstörung), sowie die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (insbesondere frühkindlicher Autismus) zusammengefasst. Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend Diese Klasse umfasst die häufigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters, nämlich die hyperkinetischen Störungen (ADHS, ADS, HKS), die Störungen des Sozialverhaltens, die emotionalen Störungen, die Störungen sozialer Funktionen (insbesondere die Bindungsstörungen), die Ticstörungen sowie weitere altersspezifische Störungen wie Enuresis und Enkopresis.
Diese Vielzahl von Störungen, die teilweise auch in Kombination auftreten können (sog. Komorbidität), entstehen jeweils unter sehr unterschiedlichen Bedingungen (Veranlagung und erhöhter Vulnerabilität) und psychosozialen Kontexten. Hierzu zählen auch Faktoren des unmittelbaren Milieus, in dem die Kinder und Jugendlichen aufwachsen. So leisten Belastungsfaktoren innerhalb der Familie wie z.B. disharmonische Beziehungen oder Scheidung der Eltern, Beeinträchtigungen der elterlichen Erziehungsfähigkeit oder psychische Störungen der Eltern einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von psychischen Störungen beim Kind oder Jugendlichen. Andere Risikofaktoren hängen mit Einflüssen aus Schule, Gleichaltrigengruppe und näherer sozialer Umwelt sowie chronischer Krankheit und Behinderung der jeweils betroffenen Kinder und Jugendlichen zusammen. Schliesslich ist in besonderer Weise jeweils der Entwicklungsstand des Kindes oder Jugendlichen zu berücksichtigen, um psychische Störungen in diesem Alter angemessen zu verstehen und zu behandeln.
Neben den geschilderten Störungen und Krankheitsbildern gehören ein breites Spektrum von Erziehungsproblemen, Krisen der Entwicklung und Lebensbewältigung in Kindheit und Jugend zum Aufgabengebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Schliesslich zählen neben diesen Aktivitäten in der Grundversorgung eine Reihe spezieller Arbeitsgebiete, die für den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD) sowie sein universitäres Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ZKJP) von besonderer Bedeutung sind. Diese spezielle Komplexität kinder- und jugendpsychiatrischer Störungen macht ein breites Spektrum von Behandlungsverfahren und Interventionstechniken erforderlich.
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